Corporate Blogs – Sinn oder Unsinn?

Blog Ideas, (c) owenwbrown @flickr
Blog Ideas, (c) owenwbrown @flickr

Vor kurzem hatte ich die seltene Gelegenheit bei einem meiner Kunden an einem Workshop teilzunehmen, der Form, Umfang und Aufbau des geplanten Unternehmensblogs definieren sollte. Gut, das allein macht das Ganze noch nicht selten. Überraschender war vielmehr, dass dort sehr viele Parteien anwesend waren und einbezogen wurden:

  • Die Projektverantwortlichen des Kunden,
  • Die IT-Abteilung des Kunden,
  • Die Web-Redaktion des Kunden,
  • Die SEO-Abteilung des Kunden,
  • Die IT- und Website-Agentur des Kunden,
  • Die Design- und Konzeptagentur des Kunden und
  • Eine Kollegen und ich als SEO-Berater des Kunden.

Dass dies eine brisante Mischung ergeben kann, ist offensichtlich. Umso verblüffender war für mich, dass nahezu alle Beteiligten zu Beginn des Workshops ähnliche Vorstellungen und Erwartungen äußerten. Im Laufe des Tages wurde allerdings schnell klar, dass sich die Lösung nicht so einfach finden würde. Mit Fragen wie „Was ist eigentlich das Ziel des Blogs?“, „Welche Inhalte und Ergebnisse erwartet die Geschäftsleitung?“ und „Wie soll das Verhältnis von redaktionellen Inhalten zu Eigenwerbung aussehen?“ schlussfolgerte das Projektteam für sich die Aufgabe einer Abstimmung mit der Geschäftsführung bevor es an die weitere Planung geht.

Was war hier der Fehler? Ganz klar: man hatte sich von der Idee des Blogs und seiner Selbstverständlichkeit in der heutigen Zeit so fesseln lassen, dass der wohl wichtigste Punkt übersehen wurde. Ohne Konzept und Zielsetzung ergibt ein Blog keinen Sinn. Nach etwa fünf gescheiterten Anläufen mit privaten Blogs gebe ich diese Aussage gern mit Brief und Siegel. Aus diesen Fehlern zu lernen ist im Privatleben allerdings deutlich günstiger als auf Unternehmensseite. Da wird schnell aus der Hüfte heraus ein Blog gestartet, weil der ja für SEO so unheimlich wichtig ist. Nach wenigen Monaten kommen dann die Fragen, warum es nicht funktioniert und nach spätestens einem Jahr ist der Blog tot, das Geld weg und im besten Fall wird auch der zuständigen SEO- oder Social-Media-Agentur gekündigt – dabei kann die meist relativ wenig dafür.

Auch wenn ich den Vortrag von Oliver Gassner auf der diesjährigen webinale nicht besonders umwerfend fand und seine Meinung „Blogs brauchen kein SEO“ absolut nicht teile, so ist mir eine seiner Folien doch in Erinnerung geblieben, weil sie vier grundlegende Fragen aufwirft:

  1. Was will ich mit meinem Blog erreichen? > ZIEL?
  2. Was kann ich erzählen? > THEMEN?
  3. Wie merke ich, dass es Leute interessiert? > MONITORING!
  4. Wie mache ich etwas aus dem Traffic? > „Call to action“ oder MONETARISIEREN!

Nur wenn alle diese Fragen im Voraus beantwortet werden können, macht es Sinn, sich über die weiteren Details und das genauere Konzept eines Blogs zu unterhalten – das gilt ebenso für Unternehmens- wie auch private Blogs.

Wie gute Konzepte und Beispiele für Corporate Blogs aussehen können, zeigt brandiz. Unter www.brandiz.de findet sich seit kurzem ein Blog über Corporate Blogging. Stefan Krüger, Helmut van Rinsum und Klaus Wieking, die Macher hinter brandiz., zeigen mit journalistischem Hintergrund und jeder Menge Berufserfahrung, wie die oben genannten Fragen bei den verschiedensten Unternehmen mehr oder weniger sinnvoll beantwortet werden.

Nein, ich bin mit den drei Herren nicht verbandelt, finde aber die Idee sehr gut. Gute Beispiele für deutsche Unternehmensblogs sind rar gesät und nicht immer sind Unternehmen bereit, ihr Blog in einem Rahmen aufzuziehen, wie ihn der AUDI-Blog oder der Konzernblog von Daimler vorleben. Beide sind über viele Jahre hinweg gewachsen und stellen mittlerweile wichtige Elemente der Unternehmenskommunikation dar, weshalb hier auch nicht wenig Geld hinein fließt.

Viele andere deutsche Unternehmen starten gerade erst mit teilweise ganz neuen Ideen ihre eigenen Blogs und werden noch ein wenig Zeit benötigen, bis die breite Masse zu ihren Lesern zählt. Bis dahin brauchen diese guten Ideen jede Unterstützung, die sie bekommen können und alle, die über die Einführung eines Corporate Blogs nachdenken, natürlich jede Menge gute Beispiele.

Kennt ihr gute Beispiele für deutsche Corporate Blogs oder englischsprachige Ideen, die in Deutschland noch ihresgleichen suchen? Welche positiven oder negativen Erfahrungen habt ihr mit Corporate Blogging? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

Ein Gedanke zu „Corporate Blogs – Sinn oder Unsinn?“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.