Google Local – Aber leider nicht für alle?

Keine Frage, Google legt gerade bei Suchanfragen, die einen eindeutig lokal ausgerichteten Hintergrund aufweisen, einen immer stärkeren Wert auf lokale Ergebnisse. Selbst für relativ neutrale Suchen spielt Google seit seinem Venice Update vor knapp einem Jahr bevorzugt Ergebnisse aus, die sich im näheren Umkreis des Suchenden befinden. Auch Google Now, Googles neuester Streich in Sachen semantischer und Graph-basierter Suche, der es nun endlich auch über das Android-System hinaus auf iPhone und iPad geschafft hat, basiert in erster Linie auf Standort-bezogenen Daten.

Gerade für Websitebetreiber und Unternehmen, die auf Basis ihres Geschäftsmodells einen ebenso lokalen Bezug haben, ist es mittlerweile also unerlässlich, sich diesem Trend anzupassen. Beispiele hierfür sind lokale Geschäfte und Dienstleister, aber natürlich und vor allem auch Hotels und Gastronomiebetriebe. Neben passenden Zielseiten für die lokalen Anfragen, sind hierfür insbesondere optimierte Einträge bei Google Places bzw. Google+ Local unerlässlich. Das ist auch Google bewusst, deshalb propagiert es umso mehr die Nutzung seiner lokalen Dienste. Doch wieso bleiben dabei einige auf der Strecke?

Jeff Gold, den ich während meiner Arbeit für Marriott Hotels kennen lernte, hat sich mit diesem Problem schon vor etwa zwei Jahren beschäftigt und seitdem scheint sich auch bei Google nicht viel getan zu haben. In seinem Artikel “If Users Treat Local Search Results Differently, Why Wont Google?” schreibt er, dass es gerade für internationale Hotelketten fast unmöglich ist, gute lokale Ergebnisse anzubieten. Die Ursache liegt hier nicht bei den Hotelketten, sondern bei Google und ist ganz einfach: jeden lokalen Eintrag darf es laut Richtlinien von Google nur einmal geben, aber die Datenbank dafür ist international. Es gibt also keine getrennten Datenbanken für verschiedene Sprachen.

Problem erkannt? Genau! Was mache ich, wenn ein Spanier nach einem Hotel in Berlin sucht? Wenn er nicht Deutsch kann, dann kann ich ihm auch schlecht ein deutsches Ergebnis anbieten. Allerdings kann ich für ihn auch keinen spanischen Eintrag anlegen, denn dann würde ich deutschen Interessenten wieder nicht gerecht werden. Dass Google hier noch gewaltig nachbessern muss, ist offensichtlich. Mit Recht fragen sich Jeff und ich, warum dies bisher noch nicht geschehen ist.

Was kann eine internationale Hotelkette aber tun, um hinter der lokalen Konkurrenz nicht zurück zu stehen? Schauen wir uns mal die lokalen Ergebnisse für “hotels münchen” an:

Lokale Suchergebnisse für "hotels münchen"
Lokale Suchergebnisse für “hotels münchen”

Größtenteils finden wir hier wirklich kleinere lokale Hotels, die unser Problem weniger interessiert. Allerdings tauchen dazwischen auch drei Einträge internationaler Hotelketten auf, die wir uns mal näher anschauen wollen:

  1. Park Inn Munich East

    Webseite des Park Inn Munich East
    Webseite des Park Inn Munich East

    Park Inn, die zur Rezidor-Hotelgruppe gehören, haben das Problem der Sprachauswahl für den lokalen Eintrag elegant umgangen, indem sie Englisch als Standardsprache gewählt haben und auf der Seite selbst dann eine gut sichtbare Sprachauswahl anbieten. So kommt der Nutzer erst mal standardmäßig auf eine englische Hotelbeschreibung, kann dann bei Belieben aber die Sprache wechseln.

  2. Condor Gastro GmbH

    Webseite des Condor Hotels München (Onlineeurohotels)
    Webseite des Condor Hotels München (bei Onlineeurohotels)

    Das Condor-Hotel bzw. Onlineeurohotels greift zu derselben Lösung wie Park Inn. Auch hier finden wir eine englischsprachige Zielseite hinter dem Eintrag und eine Sprachauswahl oben rechts.

  3. Ibis München City

    Webseite des Ibis Hotels München City
    Webseite des Ibis Hotels München City

    Ganz raffiniert zieht sich Accor Hotels mit seinem ibis München City aus der Affäre. Hier finden wir hinter dem Eintrag eine URL mit allerlei Parametern, die beim Aufruf via 301-Redirect zur deutschen Hotelseite weiterleitet. Dass diese Weiterleitung ebenfalls gegen die Qualitätsrichtlinien für Google Places verstößt, scheint Accor hier erst mal nicht zu interessieren. Es funktioniert ja zumindest momentan.

Wie wir sehen, ergeben sich für internationale Hotelketten also zwei Wege aus der Misere: Englisch als Standardsprache oder Weiterleitung des Nutzers – wobei Zweitere zwar aus Nutzersicht deutlich wünschenswerter ist, aber das Risiko des Ausschlusses aus den lokalen Suchergebnissen birgt. Fraglich ist, wo hier Googles Credo bleibt, allen Nutzern die bestmöglichen Ergebnisse zu liefern, denn unter bestmöglich stelle ich mir zumindest deutlich mehr vor als eine Notlösung.

Was haltet ihr davon? Habt ihr Erfahrungen mit diesem Problem? Ich freue mich auf eure Vorschläge in den Kommentaren.

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